Der Schmerz vergeht, die Erinnerung bleibt

Mein letzter Blogeintrag ist ja jetzt schon ein Weilchen her, aber ich bin mir sicher, dass meine Mum euch mit allem auf dem laufenden gehalten hat. Ich war mit Theresa und Jule trekken. Das Wort trekken ist scheinbar auf Verwunderung gestoßen, bedeutet aber einfach nicht viel mehr als wandern.
Am Freitag, den 17.Februar ging für uns die Reise los. Um 6 Uhr mit dem Taxi zum Buspunkt, damit wir dort unseren Guide Hem treffen konnten und uns um 7 mit einem Luxusliner auf den Weg nach Pokhara machen konnten. Man bedenke hier zu Reisebussen in Deutschland ist der Luxusliner überhaupt nicht Luxus, aber im Vergleich zu meinen geliebten Micros (NICHT!!!😂) völliger Luxus. Gut eine 8 stündige Fahrt ohne Sitzplatz und mit gekrümmtem Oberkörper will man sich doch dann auch nicht antun. Der Bus ist für umgerechnet 7€ echt billig. Man merkt von der Höhe Kathmandus (ca. 1300 müNN) übrigens nicht viel in Kathmandu selbst. Steigt man aus einem Flugzeug bewegt man sich in komplett Kathmandu eigentlich relativ ebenerdig. Klar, gewisse Hügel hat man immer, aber generell ist es doch recht flach. Auf dem Weg nach Pokhara fährt man dann erstmal ewige Serpentinen nach unten, aber auch wieder nach oben. Das wird auch einer der Gründe sein, warum man so viel Zeit benötigt. Ich glaube von Kathmandu nach Pokhara sind es nur 200 km, aber man fährt trotzdem recht lange. Die Straße ist sehr holprig, was für mich das Schlafen sehr schwer gemacht hat, Jule konnte aber die ganze Zeit über schlafen. Ich hab mir die Zeit mit Videos schauen vertrieben. Um 15 Uhr sind wir dann aber zum Glück angekommen und wurden auch direkt von einem Shuttle unseres Hotels abgeholt. Das Zimmer war übrigens sehr schön, vorallem die weichen Betten. Gegen den späten Nachmittag hat uns unser Guide noch durch Pokhara geführt, bevor wir noch abends in einem einheimischen Stand etwas gegessen haben. Auch habe ich hier gelernt, dass es am diesen Ständen das beste nepalesische Essen gibt. Das ist oft ein wenig komisch, denn ich würde in Deutschland glaube ich nie in so eine Art Bruchbude gehen(eigentlich ist es nicht wirklich eine Bruchbude, denn hier sehen viele Häuser so aus, aber in Deutschland würde so ein Haus einfach nicht stehen). Das berühmteste  an Pokhara ist übrigens der See, aber mehr dazu im nächsten Beitrag. Nach unserer Trekking-Tour bleiben Jule und ich noch für ein paar Tage in Pokhara (oder doch nicht-> wenn ich da schon gewusst hätte, was passiert).

Hier ein paar wenige Bilder von Pokhara:

Mein Annapurna Panorama Trek (=Poon Hill Trek) beginnt:

Um 8.00 Uhr hat uns ein Taxi vom Hotel abgeholt. Noch kurz ein warmes Küchlein aus dem Taxifenster heraus gekauft und „schon“ waren wir ca. 1 1/2 Stunden später in Nayapul, unserem Start- und Zielort, angekommen. Gegen 9.45 sind wir dann losgetrekkt. Unser erster Tag führte uns mitten durch alte nepalesische Dörfer, vorbei an Einheimischen und vielen grünen Feldern. Wir folgten dem Weg des Flusses, was für uns wirklich schön war, denn wir haben endlich mal wieder ein fließendes Gewässer gesehen. Aber nicht nur der Fluss hat uns beeindruckt, sondern auch die Landschaft. Seltenst hat mich eine Landschaft so beeindruckt. Aber es war nicht nur die Landschaft, es war das Gefühl, das einfach unglaublich war. Mal hoch mal runter und irgendwann sind wir in Tikhedhunga angekommen. Dort hatten wir die Wahl, ob wir dort übernachten wollen oder noch „ein paar“ Stufen hochlaufen wollen. Wir haben uns dann für letzteres entschieden und für mich stand der anstrengendste Teil diese Treks bevor. Wie gut, dass man nicht immer weiß, was genau ein erwartet. Was in meinem Fall zahlreiche Stufen waren. Und wenn ich von zahlreich rede, dann meine ich das auch wirklich so😂. Ich glaube wirklich, in meiner gesamten Schulzeit des SG’s bin ich nicht so viele Stufen hochgestiegen🙈. Und da habe ich wirklich gemerkt was trekken für mich bedeutet: Grenzerfahrung. In dieser kurzen Zeit bin ich so oft an meine Grenzen gekommen, sowohl physisch als auch psychisch. Zum einen habe ich, glaube ich, mehr Schweiß ausgestoßen, als wenn man ein Kind bekommen würde (okey, kein besonders guter Vergleich, da ich keinerlei Erfahrung dabei habe😂 aber es war eine sehr schweißige Angelegenheit😂). Und nach keinem Coopertest war ich so atemlos wie da. Außerdem sind mir in dieser kurzen Zeit so viele verschiedene Gedanken in den Kopf gekommen, dass ich dachte, jetzt werde ich verrückt. Das gleiche gilt auch für Emotionen: Die Landschaft war so schön, aber ich war einfach absolut am Ende. Dies scheint auch unser Guide gemerkt zu haben, denn irgendwann hat er mir angeboten, meinen Rucksack zu tragen. Das ist etwas, was ich auch absolut unterschätzt habe, denn wenn ich auch wirklich kaum was dabei hatte, war mein Rucksack gefühlt 100kg schwer. Aber ich glaube ich war einfach zu Stolz (oder vielleicht war es mir auch irgendwie peinlich), aber ich wollte mir einfach nicht von unserem Guide meinen Rucksack tragen lassen. Mein Guide, Theresa und Jule haben mir mein Leben aber trotzdem erleichtert. Sie haben sie ganze Zeit auf mich gewartet und immer gesagt, dass ich mein Thempo laufen kann. -> Danke! War ich aber bloß froh, dass ich nicht die einzige war, der es so ging. Denn auf den Stufen (und 400 waren erst der Anfang) sind wir immer mal wieder an einem Mädchen vorbeigekommen, der es auch schwer gefallen ist. Irgendwann haben wir aber dennoch unser Ziel erreicht: Ulleri. 

Am nächsten Morgen ging es dann um 8 weiter und wieder standen mir Treppen bevor. Irgendwann habe ich echt gedacht ich packs nicht mehr und muss umdrehen, aber zum Glück waren es weniger als am ersten Tag. Unser Weg führte uns durch den Wald, welchen man auch teilweise als Dschungel bezeichnen konnte. Vorbei an Rhododendron, sämtlichen Tieren und Wasserfällen und mit wassergepflätscher im Ohr. Und schwups sind die vorherigen Anstrengungen und Schmerzen vergessen. Oben in Ghorepani angekommen, war es leider sehr neblig, wodurch wir keine Aussicht auf die Annapurna und Daulagiri Range hatten. Abends haben wir dann noch mit unserem Guide und ein paar anderen Nepalesen Karten gespielt (übrigens es ist hier verboten in der Öffentlichkeit Karten zu spielen). 

Am nächsten Morgen in allerhergottsfrühe um 5 Uhr ging es dann schon wieder Treppen hoch, aber diesmal mit unserem Hauptziel: Der Poon Hill. Und die Aussicht ist einfach unglaublich! Wunderschöner Sonnenaufgang mit Ausblick auf das Himalaya unteranderem mit den Bergen  Mt.Dhaulagiri, Annapurna I, Fishtail, Annapurna South, Annapurna II, Annapurna IV, Hiunchuli, Nilgiri, Manasuplu). Danach haben wir in der Lodge, in der wir geschlafen haben, gefrühstückt (diemal hatten wir wunderschöne Aussicht auf die Annapurna und Daulagiri Range) und sind dann aufgebrochen um nochmal Treppen hochzusteigen ( ja ihr seht schon, die Treppen verfolgen mich😂). Von der Höhe waren wir zuerst noch etwas höher als der Poon Hill, bevor wir unsere lange Reise durch die Wälder nach unten angetreten haben. Puhh…endlich ist die größte Anstrengung vorbei. Doch Pustekuchen: Denn die „Steinstufen“ waren sehr glitschig und wackelig und einmal daneben getreten und „schwubs…ahhh….ehhh…rrrrrr….ahhh shit“ später und schon lag ich mit einem schmerzenden Fußgelenk da. Leider gibt es in den Bergen kaum eine andere Lösung als wieder aufzustehen und weiter zu gehen ( mich würde schon mal interessieren, was gewesen wäre, wenn ich nicht mehr laufen gekonnt hätte😂🙈). Langsam wie eine Oma und mit Stock bin ich dann den Berg weiter heruntergelaufen und glücklicherweise hat da mir mein Guide mein Rucksack getragen (mir war es zwar immer noch sehr unangenehm, aber ich wusste, dass ich es mit meinem Rucksack wahrscheinlich schaffen würde). Nach einem kleinen Anstieg sind wir dann in Tadapani angekommen. Dort hatten wir die beste Aussicht auf den Fishtail. Abends haben wir wieder mit unserem Guide und einer Amerikanerin Karten gespielt.

Am vierten und letzten Tag führte uns unser Weg durch Wälder und Dörfer. Unser Weg ging über Ghandruk zu unserem Zielpunkt Nayapul. Da ich, aber mit meinem Fuß nicht so schnell laufen konnte und mittlerweile schon mit 2 Stöcken herumgehumpelt bin, haben wir kurzfristig beschlossen von Ghandruk (das erste Dorf mit Busanbindung auf dem Rückweg) einen Bus nach Nayapul zu nehmen. Schließlich war es auch schon 3 Uhr. Leider musste unser Bus zuerst noch repariert werden, aber als wir losfuhren war mir auch klar warum: Überall Steine und die „Straße“ war teilweise so schmal, dass 10 cm weiter rechts der Abgrund gewesen ist. Hut ab für die Achsen, die mit dieser Holperstrecke klar kommen. Nach 1 1/2 h Busfahrt sind wir dann endlich in Nayapul angekommen, wo uns ein Taxi zurück nach Pokhara gefahren hat.

Juli und ich haben dann kurzfristig beschlossen, wegen meinem Fuß am nächsten Tag wieder nach Kathmandu zurück zu fahren. Und nach 8 1/2 stündiger holpriger Busfahrt sind wir dann alle mehr oder weniger gesund und munter angekommen.

Eines will ich aber zum Schluss noch sagen: Es war zwar wohl eines der anstrengensten Dinge, die ich in meinem Leben je gemacht habe, vorallem weil es ja über mehrere Tage ging (man hätte das ganze auch in mehreren Tagen machen können🙈). Aber die Landschaft und die Erfahrung und alles was ich sonst noch so auf diesem Trek erlebt habe, stellen die Anstrengungen komplett in den Schatten und ich kann diesen Trek nur für jeden weiterempfehlen. Das einzig wirklich blöde waren die Treppen am ersten Tag🙈😂. Würde ich jetzt wissen was alles passieren würde, ich würde mich zu 1000% dafür entscheiden.

PS.: Zurück in Kathmandu war ich noch im Krankenhaus und der Arzt meinte, dass zum Glück nicht der Knochen ist, sondern nur das Band. Naja, das muss ich jetzt halt auskurieren.

Das Schulsystem

​Das Schulsystem ist hier komplett anders als in Deutschland. Der Unterricht ist fast ausschließlich Frontalunterricht und die Hausaufgaben meist Auswendiglernen oder Abschreiben. Das führt oft dazu, dass die Kinder manche für uns scheinbar einfache Zusammenhänge gar nicht erkennen. Ich habe mal mit einem Mädchen gelernt das nicht den Zusammenhang zwischen 1+1=2 und 100+100=200 erkannte. Was 1+1 war konnte sie mir sagen, was aber 100+100 ist, leider nicht. Und wie erkläre ich jetzt so einem Kind was 26×90 ist? Die Kinder haben ein Lied auswendig gelernt, das wie folgt geht: 1 mal 1 ist 2, 1 mal 2 ist 2, 1 mal 3 ist 3…..2 mal 1 ist 2, 2 mal 2 ist 4…und so weiter. Frägt man was 8×6 ist singen sie ihr Lied und wenn du Glück hast kommen sie auf das richtige Ergebnis. Frägt man dann aber was 6×8 singen sie wieder ihr Lied und scheitern auch oft (abhängig vom Kind natürlich). Dabei erkennen sie einfach nicht, dass 8×6 das gleiche ist wie 6×8. Gleiches spielt sich auch hier ab: Sie wissen was 4×5 ist, aber singen dann nochmal das Lied, wenn man wissen will was 5×5 ist, anstatt einfach 20+5 zu rechnen😆 Das waren jetzt viele mathematische Zahlen😅 Auch ist es mir schon oft passiert, dass ich ein Text mit einem Kind gelesen habe und als ich gefragt habe, was darin steht, wusste das Kind die Antwort nicht (eigentlich sind das wirklich keine schweren Texte). Es überrascht mich, aber dafür können sie relativ gut Englisch sprechen. Es kommt zwar vor, dass ein Kind ein Wort im Text nicht richtig ausspricht, aber dann etwas zu mir sagt und das Wort völlig fehlerfrei darin vorkommt. Durch das Auswendiglernen und das Abschreiben lernen sie einfach den Zusammenhang zwischen vielen Dingen nicht. 

Was mir aber im Vergleich zu deutschen Schülern auffällt ist der Ehrgeiz. Sie wissen, dass es eine Ehre ist in die Schule gehen zu dürfen und das es auch sehr wichtig für ihre spätere Zukunft ist. Ich glaube anders kann es auch nicht funktionieren die nötige Energie aufzubringen, um den ganzen Tag zu lernen.

Hier lernt man es echt zu schätzen, was für gute Möglichleiten wir in Deutschland alles haben. Also geht das nächste Mal mit ein bisschen mehr Freude in die Schule, in die Uni oder das Büro😉 Ich weiß ich kann leicht reden, wo ich doch gerade das wahrscheinlich chilligste

Leben von uns allen habe.🙈 Und wenn ich dann selbst studiere, bin ich wahrscheinlich auch total unter Strom und genervt vom studieren und wünsche mir die Schule wieder zurück😂 Aber man kann es ja mal mit ein bisschen positiver Energie versuchen😉

Gedankenupdate

​Liebe Familie, liebe Freunde,

liebe Blogleser,

jetzt bin ich schon fast 3 Wochen hier ja. Jaa ihr lest richtig, ich kann es auch kaum glauben. Für mich sind die letzten 3 Wochen so schnell vorbeigegangen. Ich genieße mein Leben hier sehr und weiß schon jetzt, dass es eine der besten Entscheidungen meines Lebens war, die ich treffen konnte. Lange an einem Ort zu sein bedeutet ihn zu fühlen. Was ich jetzt nach 3 Wochen sage, werde ich wahrscheinlich in 4 Monaten ganz anders sehen, denn man entwickelt sich immer weiter, aber schon jetzt fühle ich mich vollkommen angekommen und auch von allen hier aufgenommen. Auch muss ich ehrlich sagen habe ich gar keinen „Kulturschock“ erlitten (zumindest denke ich das jetzt, vielleicht realisiere ich das auch erst später). Es ist doch nochmal ein Unterschied ob man von einem Industrieland in ein anderes geht, oder in ein Entwicklungsland. Kathmandu macht es einem aber auch einfach, weil man hier auch viel westliches kaufen und essen kann. Dank familiärer Hilfe und zahlreichen Dias konnte ich mir einen ersten Eindruck bilden und ich muss sagen, ich finde, es hat sich kaum etwas verändert. Was ich aber immer noch nicht ganz überwunden habe ist die Armut. Sie war mir zwar immer bewusst, aber wenn ein abgemagertes Kind auf dich zukommt und um Geld bettelt, kann einem nur das Herz schmerzen. Für uns ist es vielleicht nur 1€ und für die Kinder fast die Welt, aber du weißt du sollst ihnen nichts geben und einfach weiterlaufen. Auch hier im Kinderheim wird man damit jeden Tag konfrontiert, was wir für ein Leben führen und welches die Kinder. Bei einem Kind hier im Heim ( wir wissen nicht das genaue Alter, aber so zwischen 6-8) ist der Vater bei der Geburt nach Indien zum Arbeiten gegangen und die Mutter ist ein paar Jahre später gestorben. Daraufhin kam es zu der Oma und die konnte nichts wirklich mit dem Kind anfangen. Bevor es vor kurzem zu uns kam, ist es von der Oma weggelaufen und hat in einem Hotel gefragt, ob es dort als Tellerwäscher/in arbeiten kann. Ich weiß gar nicht, wie viele Empfindungen da in mir durchgiengen, als ich diese Geschichte gehört habe…ein anderes Kind (ich glaube es war damals 7 oder 8) hat sich jahreland am Rande Kathmandus selbst versorgt…diese Lebensgeschichten machen mich echt traurig und  mich 1000 mal dankbarer, was für ein schönes Leben ich habe. Wie kann ein Kind nur so „erwachsen“ sein? Wie schaffen es die Kinder, dass sie trotzdem so glücklich sind? Und warum sind wir so unzufrieden, wo wir doch alles Lebensnotwendige haben? Bei einer Skala von 1 bis 10 kann es uns eigentlich nie schlechter wie 6 gehen… ( Und ja, solche Gedanken gehen mir wirklich durch den Kopf und sorry, dass dieser Eintrag arg philosophisch und persönlich wird, aber so etwas gehört eben auch einfach gerade zu meinem Leben dazu🙈). Was ich auch krass finde (was aber auch irgendwie logisch ist) ist, dass die meisten Kinder noch nichts außer ihren Schulweg von Kathmandu gesehen haben. Heute habe ich einen Text mit einem Kind gelesen, indem es über Kathmandu und dessen Tempel geht. Mir tat es richtig leid, als ich gesagt habe, dass ich eine Stupa schon angeschaut habe und sie mich richtig traurig angeschaut hat und meinte, dass sie diese noch nie gesehen hat und auch mal gerne sehen würde. Leider ist das bei 130 Kinder fast unmöglich. Ich lebe hier seit drei Wochen und sie mehrere Jahre…mir fällt es oft schwer solche Momente nicht zu arg an mich heranzulassen, obwohl ich weiß, dass die Kinder hier glücklich sind und hier ihnen eine Zukunft gegeben wird, was sehr viele Kinder in Nepal nicht haben.  In Nepal ist die ganze Sache ein bisschen anders: Als Frau bist du ein nichts. Lässt du dich scheiden (oder dein Mann) oder wenn dein Mann stirbt hast du fast gar kein Möglichkeit mehr. Wenn du das Glück hast einen neuen Mann zu finden, wird dieser deine Kinder nicht akzeptieren, denn diese wollen was essen und das kostet Geld. Also schiebst du sie ab. Selbst wenn du Mutter und Vater hast, aber ein Mädchen bist und die Familie nicht genug Geld hat, wirst du abgeschoben. Jungs können verheiratet werden und sorgen dann in der Zukunft mit ihrer Frau für dich in Alter, aber für Mädchen zahlst du meistens noch. Ich denke, das ganze ist in Kathmandu nicht mehr so extrem, aber in den Dörfern schon noch. Doch auch nach der Schule wird  es Probleme geben, den hier in Nepal bekommst du bei einer Ausbildung keinen Lohn, wie in Deutschland, sondern zahlst dafür. Allgemein gibt es hier nicht wirklich viele Jobmöglichkeiten. Und da merkt man auch wieder, dass man eben doch in einem dritte Welt Land ist. Hier in der Nähe steht auch ein riesiges Gebäude, das ziemlich stark durch das Erdbeben beschädigt wurde und was ein weiteres nicht überleben würde, aber es fehlt einfach das Geld(eigentlich ist es auch ein privates Gebäude und denen fehlt das Geld) es wieder zu restaurieren und so bleibt es einfach stehen.
Über das Schulsystem habe ich auch vieles zu erzählen, aber dieser Beitrag wird schon jetzt sehr lang, deshalb folgt das in einem eigenen Beitrag.
Einen großen Unterschied zwischen zwei Ländern machen auch oft die Kultur und Verhaltensweisen. Was für uns völlig normal ist, finden Nepalesen oft komisch, oder andersherum. So ist es hier auch nicht unüblich, die Kinder zu schlagen, was für uns völlig undenkbar wäre. Sie sind es gewohnt den Müll auf den Bodem zu werfen (der Abfall vom spitzen wird nicht in den Müll geworfen, sondern auf dem Boden).Auch sagen Nepalesen zu allem Ja, auch wenn sie das nicht wirklich wollen. Solche Situationen und vorallem die Sprachbarriere führen gerade zwischen und Praktikanten und den Hauseltern (die Kinder der Frau sind die Leiter der Häuser und können Englisch) zu Komplikationen. Manche Dinge verstehe ich auch bei den Kinder nicht. Spielen wir Karten, schmeißen die Kinder die Karten nach kurzer Zeit überall kreuz und quer herum (es sah wirklich schlimm aus, überall zerfetzte Karten und wir waren ewig beschäftigt die wieder zu sortieren und aufzuräumen) . Liegt das daran, dass sie Kinder sind? Oder kein Eigentum haben und lernen auf Dinge aufzupassen? Nachdem dem Essen liegt sehr viel Essen noch auf den Tischen oder auf dem Boden und ich dachte immer man hat so wenig, das gleiche gilt auch für das Wasser: Teilweise sehe ich es wirklich ewig laufen oder wie es völlig unnötig verbraucht wird. Woran liegt das? Was vielleicht ein Grund sein könnte: Ich merke, dass die Kinder nicht so großen Respekt vor uns Praktikanten haben( vor Jungs noch eher, als vor Mädchen). Klar, hier ist jeder eine gewisse Zeit und will für die Kinder ein Freund sein, deshalb lässt man ihnen doch mehr durchgehen. In Nepal ist es üblich seine Kinder zu schlagen (so bekommt man schnell Respekt) und deshalb haben die Kinder großen Respekt vor der Leitung dieses Hauses. Aber bei uns wissen sie, dass wir sowas nie machen würden. Übrigens, wie es bei den großen „Kinder“ ist weiß ich nicht, da ich ja bei den Kleinen bin und außer, dass wir jeden zweiten Samstag eine gemeinsame Aktivität machen, bekomme ich kaum etwas von den Großen mit.

Ihr seht, alles ist nicht immer so einfach. Aber ich bin verdammt froh, dass ich hier bin. Man wird viel offener, reifer, lernt viel über neue Kulturen und auch viel über sich selbst. Was hier für die Kinder getan wird, ist einfach unglaublich. Unsere Kids sind so liebenswürdig, offen und herzlich. Und man versteht, warum jeder sagt, dass man soetwas machen sollte: Das sind Erfahrungen, die einem kein anderer geben kann. An dieser Stelle auch ein großen Dankeschön an meine komplette Familie (besonders an meine Mum😁): Ihr habt mich immer auf meinem Weg hierher unterstützt und Mut zugesprochen. Wer weiß, ob ich mich sonst so einen großen Schritt getraut hätte🙈 Danke!!!

PS.: Ich kann es selber nicht glauben, aber ich ernähre mich seit 3 Wochen (bis auf einmal Buff Momos(Teigtaschen)) komplett vegetarisch!!! Es gibt zwar die Möglichkeit hier jeden Samstag Fleisch zu essen, es riecht auch gut, aber man hat auch sehr viele Knochenstückchen darin und dann mag ich es nicht, wenn man bei jedem zweiten Bissen auf einen Knochen beißt.

Bhaktapur – der ideale Gegenpol zu Kathmandu

Bhaktapur liegt 15km östlich von Kathmandu. Wobei man schon 1Stunde mit dem Bus braucht, wenn es blöd läuft auch 3. Sie ist die drittgrößte Stadt im Kathmandu Valley und eine faszinierende altertümliche Stadt, voll mit Tempeln, mittelalterlich wirkenden Häusern und Gassen. Zudem ist Bhaktapur auffallend  geordneter und sauberer als Kathmandu. Was wohl auch daran liegt, dass Autos in der Altstadt keinen Zugang haben. Deshalb hört man auch eher das Läuten von Tempelglocken, als Autohupen. Bhaktapur ist heute so etwas wie das traditionelle Herzstück des Kathmandu Valley- der ideale Gegenpol zu Kathmandu. 

Das Eintrittsgeld für die Altstadt ist mit 1500 Rs. (ca. 15 €) für Nepal Verhältnisse teuer (die meisten kosten 1-2€ oder sind ganz umsonst). Das Eintrittsgeld gilt wie überall nur für Ausländer, nur Inder bekommen es etwas günstiger. Und mir ist leider schon allein an meiner Hautfarbe anzusehen, dass ich keine Einheimische bin😅 (Obwohl wir, als wir rausgelaufen sind an keinem Ticketschalter vorbeigekommen sind, und einfach diesen Weg reinlaufen hätten können😆 –>Schwäbin😂) Aber das Geld habe ich gern gezahlt, da Bhaktapur sehr unter dem Erdbeben von 2015 (mehr wie Kathmandu) gelitten hat und das Geld dafür verwendet wird, die Altstadt wieder aufzubauen.

Hier noch ein paar Bilder für euch und verzeiht mir, dass sie nicht in einer geordneten Reihenfolge sind (und falls ihr euch denkt, dass sind viele Tempel –> Ja hier gibt es allgemein sehr viele Tempel):

Kinder

​Welcome back! Namaste!
Hier ein paar Bilder mit den Kindern(sie sind sehr verrückt nach Fotos und können es oft nicht abwarten bis der Foto auslöst, deshalb sind auch ein paar etwas verschwommen, habe aber versucht die schönsten rauszusuchen😁: Übrigens falls ihr euch fragt, warum ich so einen Umhang habe: An dem Tag haben wir gespielt und ich habe mich als Buddha verkleidet😂

Schule

​Am Mittwoch war hier in Kathmandu Feiertag. Es war irgendein politischer Feiertag, den aber anscheinend Schule und Universitäten feiern. Allgemein gibt es hier in Kathmandu sehr viele Feiertage, und wenn kein Feiertag ist, dann gibt es oft Streik. 

Zusammen mit den Kinder sind wir dann zu ihrer Schule gelaufen. Dort war es eigentlich wie eine Art Schulfest, denn es gab Aufführungen, Essen und jeder der wollte hat eine Tika (roter Punter auf der Stirn) bekommen. Leider muss man auch sagen, dass es etwas langweilig war, aber ich habe mich gefreut, dass ich die Schule der Kinder sehe und die Kinder haben sich gefreut, dass wir da waren. Verständlich, denn bei den anderen Kinder waren die Eltern da und unsere Kinder müssten alleine gehen. 

How to: Kathmandu

In Kathmandu herrscht Linksverkehr. Für mich ist das noch immer etwas irritierend, gerade wenn man über die Straße läuft oder einem ein Auto entgegen kommt und man merkt, dass man auf der falschen Seite läuft. Aber eigentlich macht hier eh jeder was er will im Straßenverkehr. Will man über die Straße, muss man seine Hand ausstrecken und einfach loslaufen. In Deutschland wäre ich, glaube ich, schon so oft überfahren worden, aber hier ist das ganz normal und man hat keine andere Chance, außer man überquert die Straße einfach nicht😂 Auch die Fahrt mit einem Microbus ist eine Sache für sich. In Deutschland würden in so einem Bus vielleicht 8 Menschen sitzen (mal ganz davon abgesehen, dass es solche Busse in Deutschland nie geben würde) und hier liegt mein Rekord bei 27. Nicht selten steht man dann und muss sich aber über die anderen Fahrgäste lehnen, weil der Bus einfach nicht so hoch ist, dass man stehen könnte. So eine Fahrt sollte man mal mitgemacht haben!😂

Wenn man nach Kathmandu möchte, muss man mit Tauben und Hunden klarkommen. Sehr viele Hunde laufen einfach frei herum oder sind ganz einfach Streuner und die Tauben sind überall da, wo Essen liegt. Das kann schon echt nervig sein, aber die meisten Hunde, die ich bis jetzt gesehen habe, machen auf mich nicht den Eindruck, dass sie mich beißen würden.

Die Luft hier ist alles andere, als die, die ich in meinem geliebten Hammerstadt zu atmen bekomme. An den Straßen ist es sehr staubig und von unserm Balkon sieht man vielleicht 50 m weit und dann ist alles nur noch so „neblig“. Und man bedenke, dass wir von hier sogar das Himalaja sehen können!!!

Außerdem findet man in jeder Straße (viele kann man auch gar nicht Straße nennen, man kommt eher vom einen Schlagloch in das nächste) Schutt und Müll. Ich weiß nicht, ob Teile des ganzen Schutt noch vom Erdbeben her kommen, oder ob das davor auch schon war, aber aufjedenfall liegt hier oft Müll und Schutt.

Aber all das machen die Menschen wieder wett. Ich finde es unglaublich, wie nett, offen und herzlich die Menschen hier sind. Auch wenn ich noch icht wirklich lange hier bin, fühle ich mich hier wohl und angekommen. Außerdem fühle ich mich hier sehr sicher und hatte noch nie das Gefühl, dass jemand mir etwas klauen will, und dass, obwohl ich schon alleine wegen meiner Hautfarbe als Touri auffalle.

Hier tickt die Uhr auch ein wenig anders: Die Busse fahren wann sie wollen, wann Feiertag ist, weiß man, wenn man Glück hat 1 Tag vorher und wenn man wegfahren will reicht es auch noch wenn man ein Abend vorher die Reise bucht. Auf der einen Seite ist das tatsächlich entspannt, aber für einen Deutschen geht das einfach nicht klar😂

Zum Schluss noch ein kleiner witziger Fakt:
Happy Birthday Mum!🎉💕 Aber hier hättest du eigentlich gar nicht Geburtstag, denn wir haben hier den 19.Oktober 2073. Dafür wärst du aber schon 109 Jahre und das wäre doch schon ein schönes Alter, oder?😁

Bis bald!